Noch achtmal schlafen bis zum Start in die Forellensaison 2010. Acht Tage qualvollen Wartens, gefüllt mit fast stündlichen Checks der Wasserstand- und Wetterprognosen.
Die Fliegenrute ist frisch poliert, die Rolle gereinigt, gefettet und die Schnur entkringelt und gestreckt. Alle Fliegen sind sorgfältig sortiert, gekämmt und warten geduldig auf ihren ersten Einsatz des Jahres. Sämtliche Ausgaben einschlägiger Fachmagazine sind nochmals auf den kleinsten Hinweis auf die Frühjahrsangelei durchforstet, alle relevanten Videos auf Youtube sind geguckt und selbst „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ musste zur Ablenkung herhalten.
Nichts ist mehr zu tun, nichts was die Zeit bis zum Start der Saison verkürzen kann. Das Leben kurz vor Ende der Schonzeit kann so grausam sein…
Posts Tagged “Gedanken”Nach langer Abstinenz und vielen daraus resultierenden Anfragen und Mails habe ich mich entschlossen in diesem Jahr wieder verstärkt hier zu schreiben. Ich gebe zu, dass ich dieses Blog in den letzten Monaten sehr stark vernachlässigt habe. Das liegt zum großen Teil an meiner neuen Leidenschaft der Fliegenfischerei, der ich sehr intensiv nachgegangen bin. Somit wird sich in 2010 einiges um das Fliegenfischen und meine ersten, nicht immer glücklichen, Versuche im Fliegenbinden drehen. Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit zusammen mit Kathi an einem Einsteigerkurs für Fliegenfischer teilzunehmen. Seit diesem Wochenende lässt mich die Flugangelei nicht mehr los. Ich “verschlinge” geradezu die aktuellen (und auch nicht mehr ganz so aktuellen) Fachmagazine und hab mir sogar Podcasts zum Thema Fliegenfischen abonniert. Am morgigen Freitag habe ich nun einen Tag frei und werde, wie solls auch anders sein, zum Fliegenfischen an die Sülz fahren. Gestern war ich nach der Arbeit wieder mit der Spinnrute am Rhein. Ich hatte mir vorgenommen es mit Wobblern auf Barsche, Rapfen und später dann auf Zander zu probieren. Um es Vorweg zu nehmen: ich hab nichts gefangen! Keine Ahnung, was ich falsch mache aber ich hatte nicht einmal einen einzigen Biss. Das wird langsam echt deprimierend. Wenigstens ging es nicht nur mir allein so, denn ein anderer Angler versuchte vergeblich mit kleinen Spinnern die Barsche zu reizen. Gegen Abend traf ich dann einen dritten Verrückten, der allerdings etwas mehr Glück hatte. Er konnte grade einen ca. 45er Rapfen keschern. Leider hat er ihn sofort getötet obwohl ihm der Fisch sehr leid tat. Dummerweise hatte ihm sein Lehrer aber bei der Fischerprüfung beigebracht, jeden Rapfen sofort zu töten, ganz egal ob er ihn verwerten kann oder nicht. Die edleren Fische, wie z.B. Zander, sollten aber wieder zurück gesetzt werden. Somit wurde der Rapfen gestern abgeschlagen und entsorgt, weil son Psycho den Prüflingen Bullshit beibringt. Kann ich nicht verstehen. Warum einen Fisch töten, den man gar nicht essen will? Eine Sache geht mit seit dem letzten Forellenangeln ständig durch den Kopf. Und zwar die Frage: Hat man mehr Spaß beim Drillen eines Fisches, wenn man nicht darauf aus ist ihn auch zu entnehmen? Ausschlag gebend dafür war folgende Situation: ich war an einem kleinen Bach, um mir eine Forelle für den Grill zu fangen. Schließlich hatte ich die Tageskarte für dieses Gewässer ja auch teuer bezahlt und obendrein liebe ich frische Grillforellen. Hinzu kam, dass am 16.4. mein persönlicher Start in die Forellensaison so völlig in die Hose ging, und auch an diesem zweiten Angeltag schon einige hundert Würfe ohne den geringsten Fischkontakt blieben. Umso mehr freute ich mich über den ersten Biss. Die Freude allerdings ging dann sofort in Angst über. Angst davor, dass der vielleicht einzige Fisch des Tages abgehen könnte und ich dann als Schneider dastünde. Von einem Drillvergnügen kann in einer solchen Situation also nicht die Rede sein… und das obwohl die Forelle mit spektakulären Fluchten und Sprüngen dafür hätte sorgen müssen. Erst nachdem ich drei Fische im Sack hatte und somit genug gefangen hatte, um für einen schönen Grillabend mit meiner Familie zu sorgen, war dieses Angstgefühl nicht mehr da. Der vierte Fisch bescherte mir daher viel mehr Spaß als die drei anderen zusammen. Auch als mir einer der späteren Fische im Drill ausstieg war das dann kein großes Ärgernis mehr, da er sich diesen Sieg wohl verdient hatte. Wenn ich so darüber nachdenke, könnte es sogar sein, dass mir das Angeln auf Barsche auch deshalb so viel Freude bringt, weil ich diese Gesellen nur in den seltensten Fällen mitnehme. Haben also “Catch and Releaser” mehr Spaß am Angeln? Ich werde dieses Phänomen in nächster Zeit wohl intensiver an mir beobachten. Schlagwörter:Gedanken |
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